Rechtspflicht ab 02.08.2026

KI-Kennzeichnungspflicht: was Art. 50 AI Act seit dem 02.08.2026 für Shops bedeutet

Seit dem 02.08.2026 gelten die Transparenzpflichten aus Art. 50 der EU-KI-Verordnung, dem AI Act. Für Shops heißt das vor allem zweierlei: Ein Chatbot muss erkennbar machen, dass er eine KI ist, und KI-Bilder, die ein echtes Produkt, einen echten Ort oder eine echte Person täuschend echt zeigen, müssen als künstlich erzeugt offengelegt werden.

Gilt ab
02.08.2026
Rechtsgrundlage
Verordnung (EU) 2024/1689 (AI Act), Art. 50

Was gilt und woher es kommt

Grundlage ist Art. 50 der Verordnung (EU) 2024/1689. Als EU-Verordnung gilt sie seit dem 02.08.2026 unmittelbar in allen EU-Staaten, ein deutsches Umsetzungsgesetz braucht es dafür nicht.

Die Hinweise müssen spätestens beim ersten Kontakt mit dem Inhalt in klarer und eindeutiger Weise gegeben werden (Art. 50 Abs. 5).

  • Chatbots

    Wer mit einem KI-System schreibt oder spricht, muss darüber informiert werden, dass es eine KI ist. Das entfällt nur, wenn es aus den Umständen offensichtlich ist.

  • KI-Bilder und -Videos (Deepfakes)

    Wer KI-Inhalte einsetzt, die ein Deepfake sind, muss offenlegen, dass sie künstlich erzeugt oder verändert wurden. Ein Deepfake liegt nach Art. 3 Nr. 60 vor, wenn der Inhalt einer existierenden Person, einem Gegenstand, Ort oder Ereignis ähnelt und fälschlich echt erscheinen würde. Für Shops ist das fotorealistische KI-Bild des tatsächlich verkauften Produkts der wichtigste Fall.

  • KI-Texte

    KI-erzeugte Texte, die über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren, müssen offengelegt werden. Das entfällt, wenn ein Mensch den Text vor der Veröffentlichung prüft und jemand die redaktionelle Verantwortung trägt.

Wen es betrifft

Jeder Shop und jede Website mit einem KI-Chatbot, und jede Seite, die fotorealistische KI-Bilder oder -Videos von real existierenden Produkten, Orten oder Personen zeigt.

Die maschinenlesbare Kennzeichnung in den Dateien selbst, etwa über Metadaten, ist nach Art. 50 Abs. 2 Aufgabe der Anbieter der KI-Werkzeuge, nicht des Shops.

Was das im Shop bedeutet

Aus unserer Praxis:

  • Der Chatbot stellt sich in der ersten Nachricht als KI vor, zum Beispiel mit „Hallo, ich bin der KI-Assistent von …“.
  • Wir setzen den Hinweis direkt an das Bild, als Bildunterschrift oder als sichtbares Label. Einen Sammelhinweis im Footer nutzen wir nicht, weil er keinem Bild zugeordnet ist.
  • Die EU-Kommission bietet in ihrem Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte ein freiwilliges EU-Icon an, das sich dafür eignet.
  • Auf Metadaten ist im Shop kein Verlass: Shopify und viele Bildoptimierer entfernen sie beim Hochladen.

Was du jetzt tun kannst

  1. 01

    Selbst prüfen

    Geh deine Bilder durch und frag bei jedem: Ist es mit KI erstellt oder stark bearbeitet, wirkt es fotorealistisch, und zeigt es etwas, das es wirklich gibt? Nur wenn alles zutrifft, braucht es einen Hinweis. Beim Chatbot reicht ein Blick auf die erste Nachricht.

  2. 02

    Prüfen lassen

    Ob ein einzelnes Bild als Deepfake gilt, kann eine Grenzfrage sein, etwa bei stark retuschierten Produktfotos. Die klärt dein Rechtstext-Anbieter oder deine Kanzlei.

  3. 03

    Ersetzen oder umsetzen

    Eine Bildunterschrift oder ein Label am Bild und ein Satz in der Begrüßung des Chatbots sind schnell eingebaut, ohne die Bildsprache zu stören.

Häufige Fragen

Muss ich meinen Chatbot als KI kennzeichnen?
Ja. Nach Art. 50 der KI-Verordnung müssen Menschen seit dem 02.08.2026 erfahren, dass sie mit einer KI sprechen, spätestens beim ersten Kontakt. Das entfällt nur, wenn es aus den Umständen offensichtlich ist.
Müssen KI-Produktbilder im Shop gekennzeichnet werden?
Wenn sie fotorealistisch sind und ein tatsächlich existierendes Produkt so zeigen, dass es echt wirkt, gelten sie als Deepfake im Sinne der KI-Verordnung und müssen offengelegt werden. Erkennbar illustrierte oder abstrakte Motive fallen nicht darunter, für erkennbar künstlerische Werke genügt ein zurückhaltender Hinweis.
Reicht ein KI-Hinweis im Footer?
Der Hinweis muss klar und eindeutig sein. Wir setzen ihn deshalb direkt an das jeweilige Bild, als Bildunterschrift oder Label, statt als Sammelhinweis im Footer, der keinem Bild zugeordnet ist.
Muss ich KI-generierte Texte kennzeichnen?
Die Pflicht für Texte betrifft KI-Texte, die über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren. Sie entfällt, wenn ein Mensch den Text vor der Veröffentlichung prüft und jemand die redaktionelle Verantwortung trägt.
Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen die KI-Kennzeichnungspflicht?
Art. 99 der KI-Verordnung sieht für Verstöße gegen die Transparenzpflichten Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt der jeweils niedrigere Wert.

Wichtig: Diese Seite fasst die Regel mit Datum und Fundstelle zusammen. Sie ist keine Rechtsberatung. Ob und wie die Regel deinen Shop trifft, ist eine Rechtsfrage deines Einzelfalls. Wir sagen nicht, ob eine bestimmte Aussage in deinem Shop zulässig ist.

Das übernehmen wir für dich

Wir sichten deine Bilder und den Chatbot, setzen die Hinweise direkt an die richtigen Stellen und veröffentlichen nach deiner Freigabe.

Quellen

Stand dieser Seite: 29.09.2026